Halitosis
„-die Ursachen und Behandlung von Mundgeruch“
Das Thema Mundgeruch wird sehr oft tabuisiert, von Seiten des Patienten wie auch von Seiten der Behandelnden, rückt aber zunehmend wieder in den Fokus der Zahnärztlichen Praxis.
Die Bezeichnung Halitosis (lat. halitus: Hauch, Dunst) ist eine von vielen Synonymen für den Begriff Mundgeruch. Dabei sind allerdings nur Halitosis und foetor ex ore (lat: Modriger Geruch aus dem Mund) mit Definitionen belegt. Foeter ex ore beschreibt einen üblen Geruch der beim Atmen durch den geöffneten Mund austritt, Halitosis den Geruch beim Atmen durch die Nase mit geschlossenem Mund. Da beides unterschiedliche Ursachen haben kann, muss er auch getrennt untersucht werden.
Weit verbreitet ist die Ansicht, dass Mundgeruch auf Magenprobleme zurückzuführen sei. Neueste Untersuchungen zeigen aber, dass zu 90% die Ursache in der Mundhöhle der Betroffenen zu finden ist und von den verbleibenden 10% nur ein kleiner Teil den Magen selbst betrifft.
Diese Untersuchungen haben ergeben, dass bei 85 bis 90 Prozent der Betroffenen die Ursache in der Mundhöhle zu finden ist. Hier ein Beispiel: Bei einer Untersuchung von Delanghe (Delanghe et al. 1999) wurden in einer interdisziplinäre Mundgeruchsprechstunde (Zahnarzt, HNO-Arzt, Internist, Psychologe) insgesamt 406 Patienten untersucht. Die Ursachenverteilung ergab:
- 86 Prozent: Ursache im Mund, davon:
- 41 Prozent Zungenbelag
- 28 Prozent Parodontitis
- 31 Prozent Gingivitis
- 8 Prozent: Ursache eine Erkrankung im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich, davon:
- 71 Prozent: chronische Tonsilitis
- 19 Prozent: chronische Sinusitis
- 1Patient: Fremdkörper in der Nase
- 1 Patient: Rhinitis atrophicans (Erkrankung mit Rückbildung der Nasenschleimhaut)
- 5 Prozent: Ursache unbekannt
- 2 Patienten: systemische Erkrankung oder eine Erkrankung
des Gastrointestinaltraktes
Im Mundhöhlenbreich spielt vor allem die bakterielle Zersetzung organischen Materials eine Rolle. Dabei werden flüchtige Schwefelverbindungen so genannte "volatile sulphur compounds; VSC" frei, die den Hauptbestandteil der üblen Geruchswahrnehmung ausmachen. Bedingungen dafür sind unter anderem mangelnde Mundhygiene, Zahnbelag, Infektionen mit Pilzen (z.B. candida albicans), Zungenbelag, Karies, offene Wurzelkanäle sowie unsaubere Prothesen. Des weiteren können Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) oder allgemein in der Mundhöhle, sowie eine Parodontitis zu unangenehmem Geruch führen.
Nicht-orale Ursachen sind am häufigsten im Nasen-Rachen-Raum zu finden und fallen in den Fachbereich des HNO-Arztes. Verstärkter Sekretfluss, Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis), chronischer Schnupfen sowie Entzündungen sind hier die Hauptursachen.
Zudem können Gründe bei allgemeinen Erkrankungen, starkem Rauchen, bestimmten Ernährungsgewohnheiten, Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, bei Diabetes mellitus und der Einnahme von Medikamenten gefunden werden.
Behandlung von Mundgeruch
Die Behandlung von Mundgeruch ist abhängig von der Ursache. Weil die häufigsten Ursachen für Halitosis im Bereich der Mundhöhle liegen, sollten sich Betroffene an einen Zahnarzt wenden. Die Behandlung besteht dann - je nach Ursache - in der Behandlung der auslösenden Erkrankung, etwa einer Parodontitis.
Ganz wichtig ist eine umfassende Mund- und Dentalhygiene. Besonders wichtig ist die Reinigung von Zahnzwischenräumen, vorstehenden Kronenrändern und anderen Nischen, in denen sich gerne geruchsbildende Bakterien ansiedeln. Auch die Zungenreinigung ist wichtig, weil sehr Häufig bakterielle Belage auf dem hinteren Zungenbereich die Ursache für den Mundgeruch sind.
Für die mechanische Zungenreinigung werden Bürsten und Schaber angeboten. Diese sollten täglich angewandt werden. Dazu wird die ausgestreckte Zunge an der Spitze mit einer Hand festgehalten. Am besten umwickeln sie die Finger mit einem dünnen Tuch oder Waschlappen. Dann wird der Schaber mehrere Male vom hinteren Zungenbereich nach vorne gezogen. Wer einen Würgereiz verspürt, sollte die Augen schließen.
Die Mundhygiene sollte langzeitig angewandt werden. Nur so kann sie Mundgeruch wirkungsvoll bekämpfen. Mundspüllösungen, geruchshemmende Zahnpasten und Zahnpflegekaugummis können unterstützend angewandt werden. Sie überdecken aber häufig nur die Gerüche. Bakterientötende Mundwässer sind zwar hilfreich, sie können aber eine gründliche Mund- und Zahnhygiene nicht ersetzen.